Mein Schlaganfall

Schlaganfall – Einer davon bin ich

Berthold Knabe

Knapp 270.000 Schlaganfälle ereignen sich nach aktuellen Berechnungen jährlich in Deutschland, etwa 200.000 davon sind erstmalige Schlaganfälle. Rund 20 Prozent der Schlaganfall-Patienten sterben innerhalb von vier Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Rund die Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten bleibt ein Jahr nach Ereignis dauerhaft behindert und ist auf fremde Hilfe angewiesen. Fast eine Million Bundesbürger leiden an den Folgen dieser Erkrankung. Alarmierende Zahlen, denn das macht den Schlaganfall nach Krebs- und Herzerkrankungen zur dritthäufigsten Todesursache in Deutschland.

(Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe)

 

 

Mein Schlaganfall

 

Mich ereilte das Schicksal am 7.Mai 2012.

Von einem Moment zum anderen wurde ich aus meinem bisherigen Leben katapultiert.
Ich lag drei Tage im Koma. Konnte nicht stehen, nicht laufen, den Arm und die Hand nicht bewegen.
Ich war auch nicht in der Lage, mich verbal mitzuteilen.
Drei Wochen blieb ich im Krankenhaus, auf der Stroke Unit.
Danach folgten sieben Wochen Aufenthalt in einer Rehaklinik. Die meiste Zeit über saß ich im Rollstuhl.

In der Reha erlernte ich mühsam das Gehen. Auch meine Sprache fand ich wieder. Sie war sehr undeutlich, aber ich konnte mich halbwegs verständlich unterhalten.
Innerhalb von einem Jahr besuchte ich zwei Rehas.

Wieder zu Hause

Zu Hause stellte ich den Rollstuhl in die Kammer und übte täglich mit Hilfe einer Unterarmstütze mich fortzubewegen. Dabei zählte ich die Schritte, und war glücklich, nach Wochen 200 m geschafft zu haben.

Manchmal überkommt es mich, und ich träume von meiner Tätigkeit als Tatortreiniger und Schädlingsbekämpfer, die ich so lange ausgeübt hatte. Der tägliche Umgang mit Kunden und deren Probleme mit ungebetenen “Hausgästen” wie Mäuse, Flöhe usw. fehlt mir doch sehr. Immer noch.

Berthold Knabe Taekwon DoAuch ertappe ich mich, wie mich Erinnerungen aus meiner Jugend einholen, und ich sehe mich wieder als Boxer und
Taekwon Do Kämpfer, der ich einmal gewesen bin.

Mein großes Vorbild jener Zeit war ganz klar Muhammad Ali, den ich zu imitieren versuchte.
Ganz besonders imponierte er mir, wie er mit seiner Parkinson-Erkrankung
umgegangen ist. So eine mentale Särke
wünsche ich auch für mich.
Andere sportliche Vorbilder waren Bruce Lee
und Cuck Norris

 

Heute in der Gegenwart

Heute gehe ich mit meinem Hund Leo spazieren.Berthold Knabe mit Leo
Das hilft mir, die vergangenen Jahre zu kompensieren.

Gegen meine Depressionen anzugehen, hift mir am besten das Schreiben. Ich arbeite gerade an einem Buch über Schlaganfall, meinen Schlaganfall, wo ich über meine Erlebnisse berichte. Darin werde ich meine damalige Situation beschreiben, werde die Auseinandersetzungen mit den Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) schildern und die Hilfe durch den Sozialverbandes VDK würdigen. Es wird um den Kampf um meine Rente gehen und darum, wie ich wieder auf die Beine kam (sogar das Schwimmen ist mir trozt meiner Halbseitenlähmung gelungen!) Und nicht zuletzt wird es ein Dank an meine Frau Vera sein, ohne deren Unterstützung ich das alles niemals geschafft hätte!

Über das alles und noch viel mehr schreibe ich in meinem Buch, das voraussichtlich im Sommer 2017 erscheinen wird.

Vielleicht kann ich damit dem einen oder anderen Schlaganfallpatienten oder deren Angehörigen, etwas Mut machen, nicht aufzugeben, weiter darum zu kämpfen, wieder auf die “Beine” zu kommen.
Das würde ich mir wünschen.

Herzlichst Euer
Berthold

Berthold Knabe - Schlaganfallpatient

 

 

 

 

 

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